Heute gibt es zur Abwechslung mal etwas vom Bogenstand. Nachdem das diesjährige Kinderferienprogramm nun durch ist (ein Glück), kehrt beim Training so langsam wieder die übliche Gelassenheit ein.
Das freut natürlich auch die neuen. Sie können sich so langsam darauf konzentrieren, über das bloße “Pfeile fliegen lassen” hinaus etwas zu lernen.
Einer dieser neuen ist Kasimir.
Die erste Begegnung mit Kasimir hatten wir schon am 1. Juli, als wir am örtlichen Konsumtempel einen Bogenstand aufstellten. Leider war das allerdings weder ein rühmlicher noch ein positiver Einstand von Kasimir, denn seine Mutter drängte mit ihm und seinen Geschwistern durch eine Absperrung durch und setzte sich. Auf unsere Bank, wo wir unsere Jacken, Taschen und Wertsachen abgelegt hatten.
Leider ließ sich Kasimirs Familie auch nicht durch deutliche Worte dazu überreden, aus dem abgesperrten Bereich zu verschwinden, denn die Mutter meinte, sie müsste jetzt und hier ein Picknick machen. Erst, als wir die gute Frau unter Androhung von deutlicheren Maßnahmen (die Polizei hatte ihren Stand in Sicht- und Hörweite) vom Stand gedrängt hatten, kehrte wieder Ruhe ein.
Die zweite Begegnung mit Kasimir war nicht wirklich besser. Wieder war seine Mutter dabei und wieder war seine Mutter der Unruheherd. Sie meinte nämlich, dass sie im Kinderferienprogramm unbedingt mitschießen wolle. Und das an einem Tag, wo wir zu zweit schon alle Hände voll zu tun hatten – der Stand war nämlich voll.
Aber Kasimir machte sich beim Schießen selber ganz gut, arbeitete gut mit und war auch sonst eher sympathisch unterwegs – und nicht der Unruhestifter, wie seine Mutter. Noch nicht.
In der darauffolgenden Woche war er dann alleine da, und schon ging der Stress los. Anstatt auf mich zu hören, machte er, was er wollte. Anstatt sich zu konzentrieren, las er einen Comic. Anstatt konzentriert mitzuarbeiten, störte er die anderen, kasperte herum und versuchte sogar, die hier aufgestellten Regeln (Sicherheit und Benehmen und so) zu umgehen.
So schaffte er es, an einem Tag – genauer gesagt innerhalb von 90 Minuten – aus drei verschiedenen Gründen ermahnt zu werden.
Die mehr als deutliche Ansage beim dritten Mal lautete: “Entweder du befolgst die Regeln hier, oder du gehst!”
Unmissverständlich, sollte man meinen.
Doch gehalten hat es nicht lange. Schon in der Woche darauf fiel Kasimir wieder auf (das reimt sich ja fast…), und dieses Mal gab es beim ersten Mal schon die deutliche Ansage. Es hätte auch fast geklappt…wenn da nicht die permanenten Respektlosigkeiten gewesen wären.
Aus diesem Grund ist er jetzt auf “Bewährung”. Sorgt er für Unruhe, stört den Schießbetrieb oder gefährdet er sogar andere, ist er raus. Endgültig.
Heute wird sich entscheiden, ob er dabei bleibt oder nicht – heute ist das vorerst letzte Training für Kasimir als Nichtmitglied. Selbst wenn er nicht rausfliegt, weil er stört oder für Unruhe sorgt: ob ich ihn ruhigen Gewissens als Mitglied im Verein haben möchte, weiß ich noch nicht.
Prinzipiell nehmen wir ja jeden Interessierten in den Verein auf. Gut, das ist schon schiefgegangen und wir haben Mitglieder auch schon ausgeschlossen, aber erst mal war derjenige Mitglied.
Bei Kasimir bin ich mir nicht sicher, ob er in den Verein passt, ob er in die Jugendabteilung, in die Gruppe passt.
Es wäre das erste Mal, dass ich solch eine Entscheidung treffen muss, die anderen Jugendlichen passten eigentlich immer…und was nicht passte, hat sich kurzfristig von selber reguliert (die sind einfach nicht mehr aufgetaucht), aber hier habe ich ein schlechtes Gefühl. Ein ganz schlechtes Gefühl sogar. Denn wer solch einen Einstand hat, beinahe andere Jugendliche gefährdet und das ganze dann noch mit einer gehörigen Portion Respektlosigkeit dekoriert, hat in einem Schützenverein einfach nichts zu suchen – einfach weil er nicht reif genug ist, mit den entsprechenden Sportgeräten (Bögen, Luftpistolen, Luftgewehre) umzugehen.
Wir werden sehen.


Kenne ich vom Kampfsport her. Ganz schlimm sind dann die Gespräche mit den Eltern warum das liebe Kind denn nicht mitmachen darf. Man versteht das ja garnicht, der ist doch so brav blablabla
Immer wieder erhellend, von einem solchen Kind die Eltern kennen zu lernen. Tatsächlich fällt da der Apfel oft nicht weit vom Stamm. Das Ergebnis ist dann häufig, dass man mehr Verständnis für das Kind entwickelt, nach dem Motto: bei den Eltern kein Wunder!
Na ich bin mal gespannt, wie er sich heute macht…
Ganz wohl fühl ich mich zwar noch nicht bei der Angelegenheit, aber wir werden sehen…