Einkaufen mal anders

Dies ist wieder einmal eine Erinnerung an längst vergangene Tage. An eine Zeit, in der ich noch Uniform trug und zu der der biblische Satz “Sie trugen seltsame Gewänder und irrten planlos umher” noch gelebt wurde. Kurz: das ist eine Geschichte aus meiner Bundeswehr-Zeit.

Ich war stationiert in Kleinkaffshausen, einer Kleinstadt direkt vor den Toren meiner Geburtsstadt. Meine Einheit war wieder einmal auf Übung in Großdorfshausen. Dort gab es neben einigen Wohnhäusern nicht nur eine große Kaserne sondern auch einen noch größeren Übungsplatz, auf dem wir wieder einmal unsere Leistungsfähigkeit für die Herren einer Offiziersschule demonstrierten. Unsere Aufgabe dabei war es, einen Instandsetzungspunkt unter Gefechtsbedingungen zu zeigen.

Mein ganz spezieller Part war es, den Spieß-Bully (bekanntermaßen das wichtigste Fahrzeug einer Kompanie) zu chauffieren. Da der Spieß aber überwiegend mit dem Chef im Chef-Golf unterwegs war, sollte ich gewisse Sachen eigenständig erledigen. Dazu gehörten, neben dem täglichen Transport von “Kram” auch der Verkauf von Marketenderwaren. In diesem Fall waren das Schokoriegel und Dosengetränke wie Sprudel und Cola (Energydrinks gab es damals noch nicht). Am erste Tag drückte mir der Spieß eine. 50-DM-Schein in die Hand und ich sollte auf dem Weg zum Übungsplatz “eben schnell” einkaufen fahren. Ein großer Supermarkt lag zum Glück recht exponiert an der Strecke.

Leider hatte ich ja auch noch den “Kram” im Auto: zwei Maschinengewehre, eine Kiste mit Nebelgranaten, eine Kiste mit Ausrüstung, meine persönliche Ausrüstung mitsamt Waffe und noch so einiges. Da ich all dies nicht unbewacht im Auto auf dem Parkplatz eines Supermarktes stehen lassen wollte, nahm ich mir noch einen (recht frischen) Kameraden mit und wir fuhren los.

Am Supermarkt angekommen, sagte ich zu meinem Begleiter: “ich geh eben einkaufen, du passt auf Auto und Ausrüstung auf” und wollte mich gerade gen Eingang begeben, als mein Begleiter meinte “du kannst doch deine Waffe nicht hier liegen lassen…?”
Mist, eigentlich hatte er ja Recht – aber damit durch nen Supermarkt? Na egal, es ist eh nicht viel los. Also schulterte ich mein gutes altes G3 und schob mitsamt Einkaufswagen durch den Laden.

Die Blicke der Einkaufenden waren wirklich Gold wert – allerdings hatte ich irgendwie das Gefühl, jede Kamera beobachtet mich und ein unauffällig gekleideter Mensch schien mich immer im Blick zu haben…aber ich wurde nicht ein einziges Mal angesprochen.

Als ich die 50 Mark in Schokoriegel und Getränke umgesetzt hatte und wieder zum Bully kam, glaubte ich, meinen Augen nicht zu trauen: da stand mein Beifahrer mit seinem G3 in der Hand vor dem Auto und sah aus, als wolle er jeden erschießen, der sich “unbefugt” nähert…und ich dachte ich wäre bekloppt…

Diese Prozedur wiederholte sich während der ganzen Woche jeden Tag – denn spätestens am Nachmittag waren Getränke und Süßigkeiten ausverkauft. Zum Glück erkennt mich dort im Supermarkt keiner mehr…

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Über Nobelix

- Abitur in einer kleinmittelgroßen norddeutschen Stadt - Einberufung zum Grundwehrdienst - Verpflichtung als Soldat auf Zeit - Ausbildung im öffentlichen Dienst einer kleinmittelgroßen norddeutschen Stadt - Ausflug in die Seeschiffahrt - Arbeit als Vorzimmerdrache und Problemlöser in einem mittelständischen Unternehmen - Bogenschütze und Spartenleiter im Sportverein - Aktiver Reservist
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11 Antworten zu Einkaufen mal anders

  1. Frau Falke schreibt:

    Ha, da hat es sich doch gelohnt, dass ich auf diese Geschichte bestanden habe. Wie süß, dass dein Kamerad das Ganze so überfordert hat. Und interessant zu sehen, dass du derart beobachtet, nicht aber angesprochen wurdest.

    • Nobelix schreibt:

      War schon eigenartig die Situation ;-) ich glaube, die haben sich einfach nicht getraut, mich anzusprechen. Die Polizei hat damals aber auch niemand gerufen. War wohl “normal”, dass man als Soldat ne Waffe dabei hat.

      • Frau Falke schreibt:

        Ich wollte schon sagen, es ist wahrscheinlich nochmal etwas anderes, wenn man von außen auch als Soldat erkannt wird.

      • Nobelix schreibt:

        Dazu kommt, dass es – so blöd das klingt – eine andere Zeit war. Eine Zeit, in der kaum einer über mehr und mehr Verschärfungen von Waffen- und anderen Gesetzen spricht. Da hieß es dann “Schau mal, ein Soldat” und nicht “oh mein Gott,mehr hat eine Waffe dabei”.
        Heutzutage sieht das schon etwas anders aus.

      • Frau Falke schreibt:

        Heutzutage wärst du wahrscheinlich nicht mal über die Türschwelle gekommen. ;)

      • Nobelix schreibt:

        Jedenfalls nicht raus…spätestens da hätte ich in die freundlichen Gesichter des hiesigen SEK (mitsamt der bösen Seite ihrer Waffen) geblickt :-D

      • Frau Falke schreibt:

        Ein Glück bist du… ähm… ich meine, nicht… ich… Wie gut, dass das schon her ist. ;)

      • Nobelix schreibt:

        Keine Angst :-) uns wurde damals schon beigebracht, wie wir uns verhalten sollen, wenn die Polizei uns…missversteht ;-)

      • Frau Falke schreibt:

        Sehr sinnvoll. :)

  2. Jens Bonn schreibt:

    Das kann ich zum Teil toppen ;)

    Ich hatte das “Vergnügen” eine Woche den Briten bei einer Übung als Feind zu dienen – im Leo1 – wie es kommen musste, wir wurden getroffen und mussten eine Zwangspause einlegen. Da wie sehr ungünstig auf einer Kreisstraße im Weg standen, sind wir ein paar Meter weiter ins Dorf gefahren (normaler Weise mussten man genau da stehen bleiben wo man abgeschossen wurde). Dort gab es einen kleinen Tante Emma Laden mit zwei Parkplätzen vor der Tür und der ganze Laden nicht viel breiter – und weil wir gerade die Chance nutzen wollten unsere privaten Vorräte aufzufrischen, haben wir dort eingeparkt – der Gesichtsausdruck von der Verkäuferin war unbezahlbar, das kannst Du Dir sicher vorstellen.

    • Nobelix schreibt:

      Tja, deswegen werden schwere Bundeswehrfahrzeuge ganz allgemein recht argwöhnisch betrachtet ;-) Ich kenn da auch noch eine nette Story mit einem LKW 5to GL…aber die ist für einen anderen Tag an einem anderen Lagerfeuer… ;-)

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