Gestern hatte ich Schulungstag. Klingt eigentlich gar nicht mal schlecht, oder? Klingt nach Kaffeetrinken, rumsitzen, schlau aussehen und klug schnacken*.
Dumm nur, dass ich die Schulung halten sollte. Aber dazu später mehr.
Vor gut zwei Wochen ließ mein Chef eher nebenbei fallen, dass am gestrigen Tage mehrere Techniker eines unserer größeren Kunden zu einer Schulung zu uns kommen sollten. Dazu sollte ich entsprechende Unterlagen und eine Präsentation vorbereiten zu den Themen “Grundwissen Dampf”, “Inbetriebnahme” und “Wartung” vorbereiten.
Leider fiel diese ganze Vorbereitung in die letzten 4 Wochen vor unserem Rezertifizierungs-Audit, so dass ich nun die Wahl hatte: entweder kurze Präsentation und gute Audit-Vorbereitung oder gute und umfangreiche Präsentation und das Audit versieben. Schwere Entscheidung – aber egal. Erst einmal ran an die Buletten Präsentation.
Die Vorbereitung der Unterlagen hat dann auch fast die ganzen zwei Wochen gedauert – immerhin war es die erste Schulung dieser Art, die bei uns im Hause jemals durchgeführt wurde – und als Vortragende waren der Chef und unser Techniker vorgesehen – ich sollte eigentlich nur die Unterlagen erstellen und für den entsprechenden “Support” sorgen. Sprich, alles das, was das Backoffice so macht.
Die Tage vergingen im Flug, Organisatorisches wurde erledigt und an der Präsentation gebastelt. Zum Glück wurden Präsentation, Unterlagen, Handout, USB-Stick mit Unterlagen und Handout und weiteren Hintergrundinformationen mit einer terminlichen Punktlandung (also am Montag Abend gegen 18 Uhr) fertig. Keine Ahnung, wie viele Stunden und/oder Überstunden da mit drinstecken…aber es sind mehr als genug.
Mittendrin eröffnete mir der Chef dann noch zwischen Tür und Angel, dass er eigentlich gar keine Zeit hat, die Schulung selber durchzuführen – und ich das doch statt dessen machen sollte.
Gut, ich weiß zwar auch nur, was in der Präsentation steht…aber egal. Dann wird die Schulung zu einem Demonstrationsobjekt “Absolut sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit”. Meine Spezialität!
Gestern Morgen war es dann so weit: unser Werkschutz war bei seinem Kumpel untergebracht (quasi in Urlaub geschickt) und die Gäste erschienen. Den Shuttle-Service vom Hotel übernahm der Chef persönlich, die Brötchen fürs Frühstück waren abgeholt, Kaffee und Tee sowie kalte Erfrischungsgetränke waren bereitgestellt, die Präsentation lief auf Laptop und Beamer und für Mittagessen war auch gesorgt.
Die einführenden Worte sprach der Chef noch selber, dann übergab er sich das Wort an mich und es ging rund.
Die trockene Theorie wurde nur ein Mal unterbrochen – nämlich zur Vernichtung geschmierter halber Brötchen und entsprechender Dekoration, auch Frühstück genannt – den Rest des Vormittages verbrachten wir damit, überraschend entspannt über den Themenbereich “Dampf” zu plaudern. Dabei zeigte sich, dass ich doch gar nicht mal so ahnungslos bin, wie ich gedacht hatte. Jedenfalls nicht, wenn es um Dampf geht.
Mittags ging es dann zu einem nahegelegenen Fresstempel, wo unsere Gäste, der Chef, der Techniker und ich uns genussvoll einer Fressnarkose widmeten. Dabei mussten nicht nur unzählige unschuldige Salat-Blumen und diverse Schweine und Rinder für uns ihr Leben lassen, sondern auch ein halbes Spargelfeld wurde für uns abgeerntet.
Nachdem wir unsere vollgestopften Bäuche dann wieder in die Firma rollen lassen haben (wozu hat man schließlich ein Auto?), ging zur Fressnarkosen-Verminderung an den praktischen Teil. Hier konnten die Techniker gleich zeigen, wass sie über die Nahrungsmittel-Vernichtung-Orgie noch nicht gleich wieder vergessen hatten und mehrere Anlagen in Betrieb nehmen, an Knöppchen drücken, Schalter betätigen und in lustigen Dampfwolken stehen.
Nachdem unsere Gäste dann Sinn und Zweck aller Schalter, Hebel, Knöpfe und Ventile der Geräte begriffen hatten, war der Tag auch schon wieder zu Ende und einige der Herren mussten sich direkt sputen, um ihre Flieger zu erreichen. Alles in allem war es doch ein überraschend erfolgreicher Tag – von den Gästen kam durchweg positives Feedback – und so konnte ich beinahe entspannt den Heimweg antreten.
So ganz nebenbei hat sich damit auch mein Aufgabenfeld erweitert: neben der betrieblichen Ausbildung bin ich als Ausbildungsleiter jetzt auch für die Ausbildung externer Techniker verantwortlich…
*: hiesiger Begriff für “reden”
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