Morgens um viertel vor 8, irgendwo in einem Büro in der norddeutschen Tiefebene: Gespannt fahre ich meinen Rechner hoch, öffne das E-Mail-Programm und stelle fest: im Westen nichts neues. Keine Nachrichten vom Paketdienst, keine Nachrichten auf dem Anrufbeantworter und das Telefon bleibt auch stumm.
Halb 9. Das erste Tracking der Paket-ID sagt mir, dass es immer noch auf dem Rückweg zu mir ist. Offensichtlich hat die ganze Telefoniererei des Nachmittags kein bisschen Erfolg gebracht, es wurde weder eine erneute Zustellung organisiert (mittlerweile sollte das der vierte Versuch sein), noch wurde die Rücksendung zum Absender (also zu mir) gestoppt.
Also das Telefon in die Hand und ab dafür. Am anderen Ende der Leitung sitzt wieder einmal eine freundliche Dame in ihrem Callcenter und ahnt noch nichts von dem Unheil, das auf sie wartet.
Die erste Abfrage in ihrem System bleibt relativ unspektakulär – bis sie in einem anderen Programm nachschaut. Hier sind die Telefonate von gestern und die jeweiligen Aktionen des Paketdienstes gelistet. Und in diesem Moment bleibt ihr anscheinend die Spucke weg. Sie bittet um Gedult, weil sie erst bei ihrem Vorgesetzten nachfragen müsse.
Nach einigen Minuten ist sie wieder in der Leitung. Die Zuständigen sitzen wohl gerade in einer Besprechung, anscheinend hat dieses Paket wohl doch etwas größere Kreise geschlagen, denn ich erfahre, dass ein Subunternehmer in diesem Bezirk die Pakete ausfährt. Mit diesem hat es in der vergangenen Zeit wohl öfter auf dem Betriebsgelände des Kunden gegeben – es wurde zu schnell gefahren, es gab Probleme mit dem Ausweis und so weiter. Dieses Mal haben wohl Werkschutz und Fahrer komplett auf stur geschaltet und am Ende bleibt es am Kunden hängen.
Mittlerweile hängt der Paketdienst wohl mit einem niederländischsprachigen Mitarbeiter in Deutschland am Telefon und versucht, den Fahrer zu erreichen…der bislang nicht ans Telefon geht. Welch Wunder.
10:30 Uhr: Die Spedition, die unser Auftragnehmer ist (und das an den Paketdienst weitergibt) ruft an. Letzte Information: Fahrer lassen aus Datenschutzgründen ihre Ausweise niemals kopieren. Der Werkschutz beruft sich auf Terrorabwehrvorschriften und muss alle Ausweise kopieren.
Daran, dass da mal jemand beim Kunden vor Ort anruft, und fragt, ob er nicht eben zum Tor kommen kann und das Paket entgegennimmt, hat noch niemand gedacht (ist ja auch nicht so, dass da eine Telefonnummer mit angegeben werden musste beim Expressversand).Ich fühle den starken Drang, in die Niederlande zu fahren, und sowohl bei Fahrer als auch bei Werkschutz das Gehirn durch leichte Schläge auf den Hinterkopf wieder in Gang zu bringen.
10:35 Uhr: Die Ereignisse überschlagen sich. Der Paketdienst ruft an, es konnte endlich jemand beim Subunternehmer erreicht werden und es wurde zugesagt, dass das Paket heute bis 14 Uhr ausgeliefert wird. Durch den Chef des Subunternehmens persönlich. Hoffen wir, dass das auch klappt.
Update 14:30 Uhr:
Im System wird immer noch “Nicht zugestellt – Rücksendung an Absender” angezeigt – also ist es höchste Zeit für einen Anruf beim Paketdienst. Dieses Mal ist ein junger Mann am Telefon und ich höre ihm an, dass er noch grün hinter den Ohren ist. Wenn das man gut geht…
Nachdem er auch nur die üblichen Floskeln “Annahme verweigert” und so weiter herausgebracht hat, bat ich ihn, doch einmal nachzuschauen, was noch an Telefonaten und Schriftverkehr in diesem Fall gelaufen ist – und siehe da, er war sprachlos.
Ich nicht und so konnte er nach einer freundlichen Bitte noch einmal bei der Auslandsabteilung anrufen – die mich innerhalb einer Stunde zurückrufen sollte.
Der Anruf kam schon einige Minuten später: und siehe da, das Paket ist bereits am Mittag zugestellt worden. Da die Zustellung aber auf Papier quittiert wurde, sei es noch nicht im System eingetragen. Endlich!
Jetzt werden wir uns nur noch mal intensiv über die Kosten unterhalten müssen.

